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4.1.2021

Neu in der Sammlung:
1312 Euro

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf den ersten Blick unscheinbar wirkt ein neu in den Sammlungsbestand aufgenommenes Exponat aus anonymer Hand, das als Fiktion einer Euro-Banknote im Stückwert von 1312 daherkommt.
Kann der ›Schein‹ einerseits formale und inhaltliche Merkmale tradierten Kunst- bzw. Künstlergeldes – wie Format, collagierte Elemente und selbst definierter Nominalwert – in Anspruch nehmen, so überwiegt zum anderen der Charakter einer Persiflage.

 

Gestalterisch in der Nähe der Street- und Stencil-Art werden in Größe und der versatzstückartigen Übernahme bildlicher Elemente auf die 50-Euro-Banknote der seit 2017 im Umlauf befindlichen zweiten Serie Bezug genommen. In der drucktechnischen Umsetzung erscheinen die diffizilen Merkmale fälschungssicherer Banknoten konterkariert in der bewusst herbeigeführten bzw. in Kauf genommenen Unvollkommenheit. Stempeldruck auf farbigem Papier: das erinnert an Symbolgeld aus dem Monopoly-Spiel.

Mit der Verwendung eines gängigen und hoch umstrittenen Akronyms, welches auf dem ›Szene-Schein‹ in Ziffern und Buchstabenform zum Einsatz kommt, werden jedoch mutig und hintergründig zugleich die Grenzen der Kunstfreiheit ausgelotet. Die Adaption einer Parole, die für sich genommen, im quasi realen Einsatz durchaus das Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung mit sich bringen kann, wird hier im Schutzraum bildlicher Darstellung auf eine abgeschottete Ebene der Wahrnehmung transferiert.

Der seinem Sinn nach ohnehin fragwürdige Gehalt der Abkürzung, die sich in der Auflösung selbst ad absurdum führt, setzt im pseudo-monetären Kontext kritische Seitenhiebe auf die Entwertung des Papiergelds frei. Der Slogan wird in der Platzierung als Wert auf einem (fiktiven) Euro-Schein auch so weit neutralisiert, dass man ihn kaum mehr ernstnehmen kann.

Der 1312-Euro-Schein mag einem vielleicht sogar als bissiger Gegenentwurf zu den immer mehr in Mode kommenden offiziellen Null-Euro-Banknoten, von der Bundesbank in geographischen und historischen Zusammenhängen als reine Souvenirs emittiert, erscheinen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Hermann Büchner
Kurator, Sammlung Haupt
E-Mail: hb@sammlung-haupt.de

 

 

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 weiterführende Informationen:

· News-Rubrik der Sammlungswebsite

 

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Abbildung:
Anonymus: 1312 Euro, 7 x 12 cm, Repro: Hermann Büchner

 

Herausgeber der Information:
Prof. Dr. Stefan Haupt, Reinbeckstraße 21, 12459 Berlin
Tel.: +49 (0)30 28387521 · Fax: +49 (0)30 2823816
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